Französische Ohrakupunktur nach Paul Nogier

Die Ohrakupunktur wird erst seit 1950 – zunächst durch Paul Nogier (ein französischer Neurologe) – systematisch erforscht. Ihm war bei einigen seiner arabischen Patienten eine Narbe an der Ohrmuschel aufgefallen. Bei diesen war wegen einer Lumbalgie oder Ischialgie eine Kauterisation (Schnitt im Bereich der Anthelix (ein Teil der Ohrmuschel)) durchgeführt worden, was innerhalb von Minuten bis Stunden zum Nachlassen der Schmerzen geführt hatte. Nogier versuchte sich zunächst selbst in der Kauterisation, ersetzte dann diese Methode durch das Stechen von Nadeln. Dadurch erzielte er ebenfalls eine positive Wirkung, ohne jedoch bleibende Narben zu hinterlassen. Es dauerte noch drei Jahre, bis er den Zusammenhang zwischen der Wirbelsäule und ihrer umgekehrten Projektion auf die Anthelix des Ohres erkannte. In der Folgezeit entdeckte Nogier, dass alle Organe des Körpers am Ohr repräsentiert sind. Unter dem Namen „Auriculotherapie“ machte er 1956 seine Erkenntnisse zu dieser Behandlungsmethode bekannt.

Nogier entdeckte 1968 zufällig durch Pulstastung eines von ihm am Ohr untersuchten Patienten, dass sich der Puls bei der Untersuchung der Lokalisationen, die den pathologischen Körperregionen entsprachen, veränderte. Eine systematische Erforschung dieses Phänomens zeigte, dass sich bei Reizung gestörter Ohrzonen die Pulswelle charakteristisch verändert. Diese Reaktion hielt Nogier für einen Fremdreflex und nannte sie „Réflexe auriculocardiaque“ (RAC). Dieses Phänomen löste das Problem der Detektion der relevanten Ohrpunkte. Damit war der entscheidende Durchbruch für die Entwicklung einer objektiven und sicheren Methode zur Lokalisation und damit Therapie der „pathologischen“ Ohrpunkte erzielt.